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SSRQ ZH NF I/2/1, Nr. 71 (provisorisch)

Schiedsspruch im Konflikt zwischen der Gemeinde Winterthur und genannten Personen um die Aneignung von Ratsgewalt

1414 Juni 19, Winterthur
  • Regest

    Die Räte des Herzogs von Österreich Hans von Tengen, Herr von Eglisau, Landvogt Burkhard von Mansberg und Hanman von Reinach sowie die Städteboten Hans Kron von Schaffhausen, Lienhart Meier von Baden, Bentlin Brunner, einst Schultheiss von Bremgarten, und Heinrich Zingg von Frauenfeld urteilen im Konflikt zwischen der Gemeinde von Winterthur und Rudolf Lochli, Heinrich Sirnacher sowie Hans Nudung von Winterthur, die gegen ihr verbrieftes Versprechen, sich nicht um einen Sitz im Rat zu bewerben, in Ratsgewalt eingesetzt worden waren, nachdem sich beide Seiten ihrem Urteil unterworfen hatten.

    Sie sprechen einhellig, dass sich Nudung, Lochli und Sirnacher künftig einem Rechtsentscheid der Räte und des Landvogts des Herzogs beugen sollen. Ihre verbrieften Zusagen sollen in Kraft bleiben und eingehalten werden. Die Gemeinde soll dem Schultheissen und Rat von Winterthur gehorsam sein und insbesondere keinen geheimen Rat aufstellen, der gegen die Herrschaft, den Schultheissen, die Ratsherren und die Stadt gerichtet ist. Sie sollen ihre Angelegenheiten nach altem Herkommen vor dem Rat oder dem Gericht austragen. Schultheiss und Rat sollen die Rechte der Gemeinde wahren und schirmen. Die innerhalb der Gemeinde eingerichteten Kassen und zunftähnlichen Zusammenkünfte sollen abgeschafft sein. Zuwiderhandelnde können von dem Landvogt und den Räten des Herzogs zur Rechenschaft gezogen werden. Diese sollen auch Differenzen infolge dieser Regelung und Unklarheiten bezüglich ihrer Auslegung klären. Es bleibt dem Herzog oder seinem Landvogt vorbehalten, gemeinsam mit den herzoglichen Räten auf Antrag der Stadt diese Bestimmungen zu verändern, die Winterthurer jedoch dürfen keine Änderungen vornehmen. Ein Exemplar dieser Regelung erhält die Stadt Winterthur, das andere die Herrschaft von Österreich.

    Es siegeln die Räte und der Landvogt sowie die Stadt Winterthur.


  • Stückbeschreibung
    StAZH C I, Nr. 3149
    Original
    Pergament
    50.5 x 31.5 (Plica: 7.5)
    4 Siegel: 1. Hans von Tengen, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten; 2. Burkhard von Mansberg, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten; 3. Henman von Reinach, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten; 4. Stadt Winterthur, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, beschädigt
    Regest: URStAZH, Bd. 4, Nr. 5948
  • Weitere Überlieferungen
    StAZH URK 491
    Original
    Pergament
    51.0 x 31.5 (Plica: 7.5)
    4 Siegel: 1. Hans von Tengen, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten; 2. Burkhard von Mansberg, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten; 3. Henman von Reinach, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten; 4. Stadt Winterthur, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, beschädigt
     
    StAZH B III 65 (fol. 331 r - 332 r)
    Sammlung der Rechtsverhältnisse in den Zürcher Herrschaftsgebieten, Bd. 2, ca. 1545 – ca. 1550
    Abschrift (Grundtext)
    Papier
    23.5 x 32.5
    Schreiber: Vermutlich Johannes Escher vom Luchs, Stadtschreiber von Zürich
     
    StAZH B III 90 (S. 73-83)
    Kopialbuch mit Abschriften von Privilegien und anderen Urkunden der Stadt Winterthur, 1677
    Abschrift (Grundtext)
    Papier
    18.0 x 21.0
  • Kommentar

    Der innerstädtische Konflikt reicht vermutlich zurück in die Zeit des Burgrechtsabkommens zwischen Zürich und Winterthur vom 2. September 1407 (SSRQ ZH NF I/2/1, Nr. 70 prov.), das die Winterthurer auf Druck des herzoglichen Landvogts bereits am 24. März 1408 wieder aufkündigen mussten. Damals wurden Hans Nudung, Heinrich Sirnacher und Rudolf Lochli aus dem Rat, dem sie 1407 angehört hatten, ausgeschlossen und mussten versprechen, sich um keinen Ratssitz mehr zu bewerben. Der im Folgenden verhandelte Bruch dieser Zusage steht offenbar in Zusammenhang mit der Einsetzung eines geheimen Rats durch die Gemeinde in Opposition zu Schultheiss und Rat von Winterthur und mit der Bildung korporativer Organisationsformen, die sich an Zünften orientierten. Zu den Hintergründen vgl. Ziegler 1919, S. 17-19; Niederhäuser 2004, S. 48-50.

Editionstext

Wir, dise nachbenempten Hanns von Tengen, fry, herre ze Eglisow, Burkchart von Mannsperg, lantvogt, Hannman von Rynach, ritter, reͣte unser gnedigen herschaft von Oͤsterrich, Hanns Kron von Schaffhusen, Lienhart Meyer von Baden, Bentlin Brunner, wylent schultheisz ze Bremmgarten, und Heinrich Zinkch von Frowenfeld, derselben stetten botten, verjehen und tuͤn kunt meniclich mit disem brief: Von der stoͤss, speͣnn, irrung, zweyung und zuͤspru̍ch wegen, so bis uff disen hu̍ttigen tag gewesen sint eins teils der gemeind ze Wintertur und des andern teils Ruͦdolffs Lochlins, Heinriches Syernachers und Hannsen Nuͦdungs von Wintertur1, die stoͤß darruͦrent, als sy wider an reͣte gewalt und gericht gesetzt waren wider ettlicher brief sag, so sy u̍ber sich selber geben hatten, nyemermer an gewalt noch an rat ze kommen, darnach nicht ze stellen noch ze werben noch nyemer von iren wegen in dhein wise, und oͧch von vil ander sach, red und stukch wegen, wie die bis her under inen uffgeloffen und ufferstanden sint, nichts ussgenommen, sol meniclich wissen, daz schulthaisse und reͣte, die gemeind gemeinlich rich und arm ze Wintertur und oͧch Nuͦdung, Lochlin und Syernacher all liplich eyde offenlich zuͤ den heiligen gesworen haben umbezwungenlich, irs fryen muͦtes wolbedacht, gesunder sinnen, und hand uns vorgenanten personen allen irer sachen getruwt und sint der hin uff uns kommen, wie wir sy voneinander wisen und was wir in den sachen sprechent, luter, gantz und warlich daby ze beliben by denselben iren eyden, nu und harnach ewiclich. Also haben wir uns der sachen angenommen durch nuͤtz, eer und oͧch fru̍ntschaft willen under inen ze machen umb des willen, daz unser vorgenante herschafft, der stat ze Wintertur noch inen nicht ergers von den sachen uffstuͦnd. Und sprechen des ersten einheͣlliclich, daz die vorgenanten Nuͦdung, Lochlin und Syernacher zuͦm rechten kommen sollen fu̍r der egenanten unser herschaft reͣte und einen lantvogt, wer der ist, wenn in darumb tag gesetzta und verku̍ndet wirdt. Und wes sich u̍ber sy daselbs vor den allen oder dem mererteil under inen erkant wirdt, dem su̍llent sy genuͤg sin by den egenanten iren eiden fu̍r all schirmung, und davon weder mit libe noch mit guͦte nicht tretten in dhein wise. Doch daz die brief, so sy alle u̍ber sich geben hant, by iren krefften beliben su̍llen und die hinfu̍r halten. Item wir sprechent oͧch, daz hinfu̍r ein gemeind ze Winterthur einem yeglichen schultheissen und rate, gegenwu̍rtigen und ku̍nftigen, daselbs su̍llen gehorsam sin und geweͣrttig an alle uffseͣtze. Und besunder so sol die gemeind gemeinlich noch sunderlich hinnenfu̍r dhainen heimlichen rat nicht haben noch schaffen gehebt werden in dhein wise, das wider unser herschaft, wider schulthaissen und reͣte und gemein stat ze Wintertur sye. Sy su̍llen ir sachen mit nammen ustragen mit recht vor einem rate oder gerichte, als das pillich und oͧch von alter her kommen ist. Und su̍llen oͧch daran ein benuͤgen han fu̍r all ander beku̍mbernu̍ß ane geverde by denselben eiden. Es su̍llen oͧch schulthaissen und reͣt ze Wintertur, wer die ye denn sint, oͧch ein gemeinde by recht hanthaben und schirmen, als verr sy tuͤn su̍llen und recht ist an alle argelist. So denn als ettlich der gemeind ettwas bu̍chsen gehebt hant und oͧch enander zesammen vertagt und gebotten hant, als ob sy zu̍nften haben, solich nuͤw harkommen gewonheitten sprechen wir hin und ab, also, daz das hinfu̍r nicht mer geschehen sol an alle fu̍rwort. Wer oͧch, daz ein lantvogt, wer der weͣr, und oͧch unser herschaft reͣte fu̍rbaß von den sachen ichtz verneͣmen, daz einer oder mer unredlich in den sachen gefaren hetten, dem oder denen mag ein lantvogt fu̍r in und derselben miner herschaft rete fu̍rtagen, da su̍llent sy oͧch zuͦm rechten hinkommen und by recht daselbs oͧch beliben by iren eiden ane widerrede, doch allzit unser herschaft von Oͤsterrich an allen iren rechten unschedlich. Wir sprechen oͧch, ob hinnanhin, da vor got sye, stoͤß under inen u̍ber dise richtunge ufferstuͤnden oder ob sy gelichlich dheinen artikel nicht verstuͤnden, derselben stoͤß und sachen su̍llen sy kommen fu̍r einen lantvogt und unser herschaft rete, wer die denn sint, die su̍llent sy denn entscheiden und die stukch lu̍tern. Und wie das gelu̍tert wirdt von inen oder dem merer tail, daby sol es luterlich bestan. Erfu̍nde sich aber u̍ber kurtz oder lang, daz yeman dise sach, richtung und artikel, so dirr brief vor und nach wiset, nicht hielt und dawider getan hett, derselb pru̍chig sol der obgenanten unser herschaft lyb und guͤt verfallen sin ane genad ze geben, oder ein lantvogt, wer der ist, mag das selber nemen ane weren und vorsin meͣnliches. Und su̍llent oͧch all von Winterthur geneinander daruff verrichtet, verslichtet und anander guͤt fru̍nt sin, ane alle argelist, und anander gantz vollenkomenlich purgerlich tru̍w ze halten by den egenanten iren eyden in aller wise, als ob sich nye stoͤß zwu̍schen in erhebt hetten. Wir sprechent oͧch wissentlich und bedunket uns pesser getan denn vermitten, weͣre, daz unser gnedig herschaft von Oͤsterrichund ir reͣte oder ein lantvogt und unser herschaft reͣte hinnenfu̍r yemer bedu̍chte, daz diser brief an einem stukch oder an mer ze endern oder ze pessern weͣr, mer darin oder daruß ze tuͤn, ob des gemein stat Wintertur beͣgerte yemer etc, dieselben su̍llen wol gewalt haben, das nach unser herschaft nuͤtz und oͧch nach gemeiner statt nuͤtz und eere ze mindern und ze meren, aber von den von Winterthur sol es ye nicht geeͣndert werden by iren vorgeschriben eyden. Und des alles zuͤ einem waren, steͣtten, offenn urku̍nde geben wir, die obgenanten unser herschaft von Osterrich reͣte, der lantvogt und oͧch die botten von den stetten, diser richtungbrief zwen gelich von wort ze wort geschriben denen von Wintertur einen2 und den andern zuͦ unser egenanten herschaft von Oͤsterrich handen3, versigelt mit unser, der vorgenanten reten und des lantvogts, anhangenden insigeln ze einer zu̍gnu̍ß aller vorgeschribener dinge, doch uns und unsern erben ane schaden. Dartzuͦ haben wir oͧch gesprochen, daz die obgenanten von Wintertur irer gemeiner statt insigel zuͦ den unsern oͧch offenlich gehenket hant an disen brief, sich selber ze u̍bersagen aller vorgeschribener sach. Die geben sint ze Winterthur, uff zinstag nechst vor sant Johanns tag ze su̍ngichten des jares, da man zalte von gots gepu̍rde vyertzehenhundert jar und darnach in dem viertzehenden jare.

[Vermerk auf der Rückseite von Hand des 16. Jh.:] 1414, Vertrag zwuschent denen von Winterthur, irs regiments halb

[Vermerk auf der Rückseite von Hand des 18. Jh.:] Ingroßiert

  • Anmerkungen
    1. In der Vorlage: gesetz, statt: gesetzt
    1. Der Anlassbrief vom 18. Oktober 1413 führt neben Lochli, Nudung und Sirnacher noch Hans Balber auf (Thommen, Urkunden, Bd.  3, Nr. 39, S. 32). Ein undatierter Entwurf des Anlassbriefs nennt als Vertragspartner Schultheiss und Rat von Winterthur einerseits und die Gemeinde sowie Sirnacher, Nudung, Lochli, Balber und Hans von Sal andererseits, wobei als Parteien Schultheiss und Rat gegenüber der Gemeinde, die Gemeinde gegenüber den vier (verbessert aus: drei) zuvor genannten Personen, d. h. Sirnacher, Nudung, Lochli und Balber, sowie Hans von Sal gegenüber Hans Balber auftreten (STAW URK 484). 
    2. Die Ausfertigung der Stadt Winterthur ist von anderer Hand geschrieben und weist geringfügige, vorwiegend syntaktische Abweichungen auf (STAW URK 491). 
    3. Die Ausfertigung für den Herzog von Österreich gelangte mit der Verpfändung Winterthurs in den Besitz der Stadt Zürich.