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SSRQ ZH NF I/2/1, Nr. 67 (provisorisch)

Urteil im Konflikt um die Wassernutzung zwischen der Gemeinde Hettlingen und dem Inhaber der Eichmühle

1469 Juni 28
  • Regest

    Schultheiss und Rat der Stadt Winterthur urteilen im Konflikt zwischen der Gemeinde Hettlingen, vertreten durch Bertschi Rappolt, Klaus Sulzer und Kuni Stocker, und Hans Müller von Eich um die Nutzung der Quellwasserleitung nach Hettlingen und des Bachs, der zur Eichmühle fliesst.

    Auf Seiten der Gemeinde wurde vorgebracht, dass Müller das Wasser zu der Mühle leite, obwohl man mit Einwilligung der Inhaber der Güter, der Hoppler, die Quelle gefasst und nach Hettlingen geleitet habe, und dass Müller sich weigere, den Bach zur Mühle dreimal am Tag nach Hettlingen zu leiten, damit man das Vieh tränken könne. Müller entgegnete, die Quelle auf seinem Grundstück liefere ihm seit jeher Trinkwasser und halte im Winter das Mühlrad in Betrieb, und berief sich auf die Konditionen, zu welchen ihm die Mühle gegeben worden sei. Den Anspruch der Gemeinde auf die Ableitung des Bachs wies er zurück, da in den zehn Jahren, seit er die Mühle in Besitz habe, noch nie derartige Forderungen an ihn gestellt worden seien.

    Nach Anhörung der Kundschaft von beiden Seiten und der Konsultation des Kaufbriefs über die Mühle, den Müller von den Hopplern hat, sprechen Schultheiss und Rat das Urteil, dass Hans Müller das Quellwasser nutzen dürfe wie bisher und dass jeder Inhaber der Mühle den Bach dreimal am Tag nach Hettlingen leiten solle, sofern die Gemeinde nicht freiwillig darauf verzichten würde. Beide Seiten erhalten auf Wunsch das Urteil verbrieft.

    Die Aussteller siegeln mit dem Ratssiegel.


  • Stückbeschreibung
    PGA Hettlingen I A 1
    Original
    Pergament
    44.5 x 21.5
    1 Siegel: nur Siegelschlitz vorhanden
  • Kommentar

    Die ausserhalb des Dorfes Hettlingen gelegene Eichmühle war ein Lehen der Abtei Reichenau, die 1540 in das Hochstift Konstanz inkorporiert wurde. Seither war der Bischof von Konstanz Lehensherr der Mühle. Zwischen den Inhabern der Mühle und der Gemeinde kam es wiederholt zu Nutzungskonflikten, vgl. hierzu Kläui 1985, S. 103-105.

Editionstext

Wir der schultheiß und der rǎt zuͦ Winterthur tuͦnd kunt allermenglichem mit disem brieff: Als von der spēnn, stoͤß und uneinikeit wegen entzwu̍schen den erbern unsern lieben getruwen gemeinen nachpuren zuͦ Hettlingen einer und Hansen Mu̍ller von Eich der andern sydten uferstanden, antreffend den brunnen, so gen Hettlingen getu̍chlet ist, und den bach, so dann an die mu̍li zuͦ Eich rindt, darumb sy dann vormaln vor uns inrecht gestanden und clag und widerred nach irem benuͦgen gegen ein andern volfuͤren gewesen sind, und namlich die von Hettlingen in ir clag vermeinten, Hansa Mu̍ller nēm inen den genanten brunnen und fuͦrti den uff die mu̍li zuͦ Eich, anders dann billich wēr, wǒn sy den selben brbunnen mit tu̍cchlen, stuben und andern nottdurfftigen dingen gen Hettlingen geleittet hetten mit swaͤrem costen, als inn ouch soͤlichs von den Hopplern, dero der brunn und die guͦtter gewesen weren, vor langer zitt vergu̍nst worden sig; dartzuͦ so soͤlti der bach, der uff die mu̍li zuͦ Eich gieng, alle tag drystund durch den genanten Mu̍ller und wer die mu̍li innhett gen Hettlingen zegǒn abgelaussen werden, namlich am morgen, zuͦ mittag und zuͦ abentz, damit sy ir vich getrencken und des halben gehalten moͤchten, des sich der Mu̍ller ouch widroti, begerten, den selben Mu̍ller guͤttlich, und ob das nit guͤttlich gesin moͤcht, rechtlich ze underwisen, sy an dem brunnen ungeirt und inen den genanten bach drystund des tags gen Hettlingen gǒn zelǎussen, als sy hofften billich sin, angesehen, das das dorff Hettlingen nit wol ein dorff moͤcht sin, wo inn soͤlich wasser nit zuͦgelǎussen soͤlt werden, als es aber von billichem dahin gǒn soͤlt. Und ob sy dawider reden woͤlten, begerten sy kuntschafft darumb zeverhoͤren. Dawider aber Hans Mu̍ller in siner antwurt reden ließ, er nēm inn den gedachten brunnen nit anders dann als von alterher zuͦ trinckwasser und imm winter an das rad, das im das nit gefru̍ri, als im die mu̍li ouch geben sig. Der brunnd lig ouch in dem sinen und truwt, er soͤlt den nuttzen und niessen, wenn er und die sinen des nottdurfftig weren zetrincken ald uff die mu̍li. Das er ouch schuldig wer, den bach gen Hettlingen zelaussen, als die von Hettlingen vermeinten, getruwt er nit, dann er das wasser gǒn lǎussen oder schwellen moͤcht, weders er woͤlt. Hett ouch die mu̍li inngehept by zehen jarn, das soͤlichs im rechtlich nie angesprochen wēr, getruwt wol, man ließ inn daby beliben. Und als die von Hettlingen kuntschafft botten hetten, begert er sin kouff brieff und ouch kuntschafft zeverhoͤren. Und nach dem sy dis sach dotzemalen zuͦ bedersydt mit mer worten fu̍r uns getragen, unnu̍ttz alle zemelden, zuͦ recht und unser erkantnu̍ß gesatzten und wir den genanten kouffbrieff, der da wist, wie die Hoppler die mu̍li inngehept und von vatter und muͦter ererbt hettint, das sy die dem Mu̍ller zekouffen geben habint, mit sampt der kuntschafft zuͦ bedenteiln dargepotten rechtlich verhoͤrdt, haben wir uff das, so Bertschi Rapolt, Clauß Sultzer und Cuͤni Stocker fu̍r sich selbs und gemein nachpuren zuͦ Hettlingen und Hans Mu̍ller zuͦ Eich fu̍r sich selbs und sin erben gelopt und versprochen hand, wes wir uns erkennen und zwu̍schen inen ussprēchen, das sy dem nachkomen und gnuͦg tuͦn wellen yetz und hernach, uns uff hu̍ttigen tag, datum dis brieffs, nach clag, antwurt, red und widerred, ouch uff verhoͤrung des genanten brieffs und der besseren kuntschafft von einem an das ander gnuͤgsamklich usgemessen nach unser besten verstentnu̍ß zuͦ recht erkennt und sprechent yetz mit disem brieff: Des ersten von des brunnen wegen, das Hans Mu̍ller wasser usser dem genanten brunnen zuͦ winterzitt, so er des frostes halb zehaben bedoͤrffen ist, nach siner nottdurfft nēmen und sich sunst trinckwassers halb daruß bewaͤsseren moͤg. So dann von des bachs wegen erkennen wir uns ouch zuͦ recht uff alle vorgemelt verhandlung, das ein yeder mu̍ller, so die genanten mu̍li innhǎt, den geruͤrten bach alle tag drystund gen Hettlingen abe gon lǎussen sol, namlich am morgen, zuͦ mittag und des ǎbentz, es sig dann sach, das ein mu̍ller an den von Hettlingen haben moͤge, das sy guͤttlich davon standint. Dis unsers spruchs begerten bedteil brieff, die wir inen mit unsers rǎts insigel, gemeiner unser statt onschaden, besigelt geben haben an mittwuͦch vor sant Peter und Pǎuls der heiligen zwoͤlffpotten tag nach Cristi gepu̍rt viertzehenhundert sēchszig und nu̍n jǎr.1

[Vermerk auf der Rückseite von Hand des 17. Jh.:] Betrift de Gu̍lgf brunnen zu Eich

  • Anmerkungen
    1. Beschädigung durch Tintenklecks, unsichere Lesung
    2. Beschädigung durch Tintenklecks, unsichere Lesung
    3. Beschädigung durch Tintenklecks, unsichere Lesung
    4. Beschädigung durch verblasste Tinte, unsichere Lesung
    5. Unsichere Lesung
    6. Unsichere Lesung
    1. Ein entsprechender Eintrag den Urteilspruch betreffend findet sich im sogenannten Ratsprotokoll unter demselben Datum (STAW B 2/3, S. 42). Dass sich das Gerichtsverfahren mit der Anhörung der Streitparteien, der Vernehmung der Zeugen, der Konsultation der Beweise sowie dem Fällen des Urteils über mehrere Sitzungen erstreckte, schlägt sich ebenfalls in diesen Aufzeichnungen nieder. Der Eintrag über die Einreichung der Klage und die Klageerwiderung ist nicht datiert, aber vor dem 12. Juni 1469 anzusetzen (STAW B 2/3, S. 40).